TiAM FundResearch: Herr Towns, viele Investoren fragen sich: Sehen wir am Immobilienmarkt 2026 eine Trendwende?
Martin Towns: Ja, ich denke, wir können mittlerweile sagen, dass wir uns in einem neuen Zyklus befinden. Nach den starken Wertkorrekturen zwischen 2022 und 2024, als die Immobilienpreise in vielen Märkten um 20 bis 25 Prozent gefallen sind, haben sich die Bewertungen stabilisiert. Gleichzeitig steigen die Mieten wieder deutlich. Dieser Mix aus stabileren Bewertungen, attraktiven Anfangsrenditen und wachsendem Einkommen macht die Anlageklasse wieder interessant.
Warum spricht M&G dennoch von einem langsamen Aufschwung?
Weil die Unsicherheit hoch bleibt. Geopolitische Spannungen, Inflationssorgen und die Frage, ob die Zinsen erneut anziehen könnten, bremsen viele Investitionsentscheidungen. Dennoch sehen wir, dass Kapital in den Markt zurückkehrt. Das zeigt uns, dass die Erholung zwar langsamer verläuft als früher, aber keineswegs zum Stillstand gekommen ist.
Welche Faktoren sprechen aktuell besonders für Immobilien?
Ein zentraler Punkt ist das mangelnde Angebot. In vielen Ländern fehlt es an modernen, hochwertigen Immobilien – und das gilt für zahlreiche Nutzungsarten. Dadurch steigen die Mieten. Investoren erhalten heute nicht nur attraktive laufende Erträge, sondern profitieren gleichzeitig von einer positiven Mietentwicklung. Das ist eine Kombination, die wir lange nicht gesehen haben.
Wie reagieren Investoren auf diese neue Marktphase?
Viele überprüfen ihre Immobilienstrategie grundlegend. Die Wertverluste der vergangenen Jahre haben dazu geführt, dass Anleger ihre Portfolios neu ausrichten. Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen der Nutzer. Besonders bei Büroimmobilien beobachten wir einen klaren „Flight to Quality“. Unternehmen suchen hochwertige, nachhaltige Objekte mit guter Ausstattung, während ältere Gebäude zunehmend unter Druck geraten.
Beobachten Sie dabei auch Veränderungen bei den bevorzugten Anlageformen?
Absolut. Viele institutionelle Investoren, die traditionell ausschließlich in Core-Strategien investiert haben, ergänzen ihre Portfolios mittlerweile um Value-Add-Investments. Dort steht aktives Management im Vordergrund, um zusätzliche Wertsteigerungen zu erzielen. Außerdem gewinnen maßgeschneiderte Investitionsprogramme und Co-Investments bei großen Pensionsfonds und Staatsfonds an Bedeutung.